Ein Topf Chili sin Carne, ein Kühlschrank voller Getränke und auf den Tischen herrscht Kaos: Was nach einer ziemlich chaotischen WG klingt, ist in Wahrheit ein Spielecafé in Frankfurt-Bockenheim. Im Playce sitzen Menschen an großen Tischen, erklären sich gegenseitig komplizierte Spielregeln oder versinken auf Sitzsäcken in alten Konsolenspielen. An den Getränkekühlschränken darf sich jede*r bedienen. Bezahlt wird anschließend auf Vertrauensbasis.
1.400 Gründe zu bleiben
Dennis und Katja haben sich 2023 in einer schicken Altbauwohnung mit ihrem Spielecafé eingenistet. Das Playce ist eines der ersten seiner Art in Deutschland und inzwischen zu einem wichtigen Treffpunkt für die Brettspiele-Community geworden.
Über 1.400 Spiele stehen in den Regalen. Darunter Klassiker wie Skip-Bo oder Siedler von Catan, aber auch echte Raritäten und sogenannte Kennerspiele, die mit Erweiterungen schnell mehrere hundert Euro kosten können. Für acht Euro darfst du einen Tag lang so viel spielen, wie du möchtest. Und durch komplizierte Anleitungen musst du dich nicht quälen: Die Mitarbeiter*innen können die Spiele erklären.
Wer zwischendurch genug vom Brettspielen hat, kann in die Gaming-Ecke wechseln. Zwischen Mario-Figuren und auf Sitzsäcken lassen sich dort alte Konsolen wie der Gameboy ausprobieren. Zwei Euro kostet die halbe Stunde vor dem Fernseher. Eine Reise in die Kindheit kann also teuer werden.
Ein Platz am Tisch ist immer frei
Doch die Spiele sind nur ein Teil dessen, was das Playce ausmacht. Wer neu ist und Anschluss sucht, kann bei „Open-Table“-Abenden einfach dazustoßen. Dort treffen sich Menschen, die sich vorher noch nie gesehen haben, um gemeinsam zu spielen. An vielen Tischen wird Englisch gesprochen, freundlich und offen sind eigentlich alle.
Auch wer ein Spiel loswerden möchte, kann es hier abgeben. Regelmäßig findet im Playce ein Flohmarkt statt. Finden sich neue Käufer, kassiert das Café eine Provision. Die Besitzer*innen müssen sich um nichts kümmern und können die nicht verkauften Spiele abends wieder abholen.
Ein Café ohne Misstrauen
Überhaupt funktioniert im Playce vieles anders als in einem gewöhnlichen Café. An den Getränkekühlschränken und am Snackregal dürfen sich die Besucher*innen einfach bedienen. Ein paar Euro sollen sie anschließend in eine Spendendose werfen. Das funktioniere laut Inhaber Dennis gut.
Auch beim Essen bleibt es persönlich. Ein Teammitglied kocht am Anfang der Woche einen großen Topf Suppe oder Chili sin Carne. Dazu gibt es belegte Baguettes, die nach bekannten Gesellschaftsspielen benannt sind. Die Einrichtung erinnert dabei eher an ein gemütliches Wohnzimmer als an ein Lokal.
Gemeinschaft trägt
Dennis und Katja haben sich auf einer Spielemesse kennengelernt und dort die Idee für das Playce ausgetüftelt. Wie wichtig der Ort für viele ist, zeigt auch die erfolgreiche Crowdfunding-Kampagne der beiden: In kurzer Zeit hat die Community über 15.000 € gespendet.
Im Gegenzug gab es Gutscheine für das Spielecafé. Außerdem durften sich alle mit einer selbst zusammengesetzten Lego-Figur auf einem Podest im Regal verewigen.
Dass die treuen Supporter nicht enttäuscht wurden, zeigt wie trubelig es im Spielecafé zu geht – am späten Abend sind fast alle Tische besetzt und man hört viel Gelächter.
„Ich bereue heute noch, dass ich nicht die 1.000-Euro-Lebenslang-spielen-Variante genommen habe, denn die werde ich auf jeden Fall erreichen“, erzählt mir eine Besucherin.
Ein Wohnzimmer für alle
Für Katja scheint genau darin der Reiz zu liegen. „Es gibt jeden Tag schöne und besondere Momente“, sagt Inhaberin Katja mit müden und dennoch leuchtenden Augen. Sie betont immer wieder, dass im Playce alle Menschen willkommen sind.
Reich werden sie und Dennis mit ihrem Café bisher allerdings nicht. Beide arbeiten vollzeit in anderen Jobs und verdienen bisher nichts mit dem Playce. Dass sie inzwischen mehrere Mitarbeiter*innen bezahlen können, macht sie trotzdem froh.
Und vielleicht ist das Playce genau deshalb eine Art zweites Wohnzimmer: Nicht, weil hier alles wie zu Hause ist, sondern weil man sich auch dann willkommen fühlt, wenn man zum ersten Mal durch die Tür kommt.
Falls du das auch mal erleben willst, aber nicht um die Ecke wohnst, hör doch mal in meinen Radiobeitrag über einen Abend im Playce rein:









